Scheinträchtigkeit

 

 

Sie gilt als das Schreckgespenst eines jeden Hündinnenhalters. Wird mit ihr doch Müdigkeit, Trägheit, Fremdeln oder sogar das Sortieren von Stofftieren in Verbindung gebracht. Für viele Hundehalter sind diese Symptome verständlicherweise befremdlich, sie sind hilflos und sie sorgen sich um das Wohl ihrer Hündin.

 

Allerdings ist nur ihr Ruf schlecht. Anders als viele Hundehalter vermuten, leidet die Hündin in dieser Zeit nicht, denn die Scheinträchtigkeit ist mit einer Krankheit nicht gleichzusetzen. Vielmehr handelt es sich um ein faszinierendes wie natürliches Phänomen, das der Spezies Wolf in der Evolution das Überleben gesichert und ihn vor dem Aussterben bewahrt hat. Dies zeigt einmal mehr, dass unser domestizierter Haushund, wie wir ihn kennen von wilden Vorfahren abstammt und ebenso ein Raubtier war. Sie ist fester Bestandteil des weiblichen Zyklus des Hundes.

 

Die Vorfahren unserer Hunde wie Wölfe, Dingos oder Wildhunde leben in einer sozialen Familienstruktur, in der jeder seinen festen Rang hat. Hiermit ist auch die Aufgabenverteilung geregelt, denn die Leithündin ist für den Nachwuchs zuständig. Die anderen weiblichen Rudelmitglieder übernehmen bei ihrer Abwesenheit, z.B. bei der Futtersuche die Betreuung des Nachwuchses. Hier hat die Scheinträchtigkeit ihre Berechtigung. Sie sichert dem Nachwuchs eine Chance zum Überleben. Denn sollte die Leithündin einem tödlichen Unfall zum Opfer fallen, werden die untergeordneten Rudelhündinnen hormonell befähigt, den Nachwuchs zu ernähren und die Mutterrolle zu übernehmen.

 

In der Regel tritt die Scheinträchtigkeit nach Ende einer jeden Läufigkeit auf, da sich die hormonelle Situation zu dieser Zeit ähnlich wie zum Ende der Trächtigkeit verhält. Sie dauert in etwa so lange, wie eine normale Trächtigkeit, wobei sich die Auswirkungen von Hündin zu Hündin unterscheiden. Einige zeigen die entsprechenden Symptome über mehrere Wochen, andere nur kurz, so dass der Halter kaum einen Unterschied bemerkt. 

 

Die Scheinträchtigkeit ist tierärztlich nicht behandlungswürdig, da sie keinen Krankheitswert beinhaltet. Natürlich ist die Hündin während dieser Zeit durch die hormonellen Schwankungen stimmungsbetont. Manche Hündinnen fressen weniger, schlafen viel oder sind anhänglicher oder sensibler als sonst, aber auch das ist ein normaler Prozess. Für die Hündin ist es lediglich hilfreich, ihr erhöhtes Schlafbedürfnis zu berücksichtigen und ihr etwas Ruhe zu gönnen. In ausgeprägten Fällen hat sich die Homöopathie bewährt, ihr sanft über diese Zeit hinwegzuhelfen.

 

Auf alle Fälle tut der besorgte Hundehalter gut daran, sich zu entspannen denn auch diese Zeit geht vorbei.