Obwohl die Kastration den Zweck erfüllen sollte, in medizinischer Notlage das Leben des Hundes zur retten, wird sie oft willkürlich durchgeführt, etwa um eine Trächtigkeit zu verhindern oder Gesäugetumoren, Scheinschwangerschaften und Gebärmutterentzündungen vorzubeugen. Oft auch einfach nur, um sich die Hundehaltung zu erleichtern. Für Tierärzte sind sie beliebt, denn sie sind unkompliziert und werden hoch honoriert. Leider ist dies zur gängigen Praxis geworden. Was der Wegfall der Sexualsteroide im Körper bewirkt, wird nicht beachtet. Aber diese haben nicht nur Einfluss auf die Sexualfunktion sondern auf den gesamten Organismus. Deshalb ist es an der Zeit, dies ganzheitlich zu betrachten.

 

Ein Hundehalter, der über alle Risiken informiert ist, hat aber die Möglichkeit genau abzuwägen, ob er diesem Eingriff zustimmen möchte. Denn unter Berücksichtigung, dass es sich bei der Kastration nicht "nur" um das Entfernen unerwünschter Organe sondern um die Entfernung einer Hormondrüse und somit um einen schweren Eingriff in den Hormonhaushalt handelt, erscheint sie in einem anderen Licht. Die Sexualhormone steuern nicht wie vielfach angenommen "nur" die Fortpflanzung, sondern sämtliche Funktionen des Körpers, denn sie sind Teil des gesamten Hormonsystems. Auch das Immunsystem steht unter dessen Einfluss. Das Entfernen eines einzigen Bausteins ist geeignet, ein gesamtes Bauwerk zum Einsturz zu bringen. 

 

Neue Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft zeigen gesundheitliche Konsequenzen auf, die in keinem Verhältnis zu den Vorteilen stehen und bei der Entscheidung zu diesem endgültigen und unwiderruflichen Eingriff Berücksichtigung finden sollten.  

- Durch das Wegfallen der Sexualhormone wird die Alterung eingeleitet (bekannt als Menopause oder Wechseljahre) 

- Der Eingriff in den Hormonhaushalt fördert Neoplasie, also ein Zellwachstum durch Blutzellen, das das Risiko anderer Krebsarten
  erhöht, wie Milz- u. Knochenkrebs, Mastzelltumore oder Prostatakarzinome bei Rüden
- Das Schließen der Wachstumsfugen und das Längenwachstum der Knochen wird verhindert. Die Folge ist ein unproportionierter
  Körperbau (Hochwuchs), Kastraten werden zu groß und schwer für die geringe Knochendichte,
- Hierdurch höheres Risiko von HD und Kreuzbandrissen und Patellaluxation als bei intakten Hunden,

- Auch die charakterliche Reifung endet, d.h. der Hund legt sein Welpenverhalten nicht ab (Konzentrationsmangel, schlechte
  Erziehbarkeit), 
Durch die Veränderung der körperlichen Konstitution werden eine erhöhte Infektanfälligkeit, Osteoporose, Harninkontinenz und 
   Bauchspeicheldrüsenentzündungen begünstigt.

- Mangelnde Versorgung des Körpers mit dem Schilddrüsenhormon, die Folge ist Schilddrüsenunterfunktion,

- Kein erzieherischer Wert, unerwünschtes Verhalten lässt sich nicht wegschneiden. Die Kastration bedingt unkalkulierbare
  Wesensveränderungen, die vorhandene Probleme verschlimmern können.(Aggression, Angstaggression)

- Kastraten sind Mobbingopfer, denn Hunde definieren sich über ihren Geruchssinn. Die Geschlechtsneutralität und die fehlenden
  Duftstoffe stellen ihre Gleichwertigkeit in Frage. Unsicherheit und Resignation sind die Folge. 

- Kastraten entwickeln oft eine Gleichgültigkeit oder kompensieren den Verlust ihres sexuellen Wertes mit Fress- oder Jagdlust.
- Kastratenfell bei langhaarigen Hunden: Das filzende Unterfell überwuchert das Deckhaar, (der Hund erscheint ungepflegt)

- Durch den Serotoninabfall im Blut steigt der Appetit bei gleichzeitig sinkendem Energiebedarf. Hundehalter kämpfen bis zum
  Lebensende des Hundes gegen dessen Übergewicht an. Ganz zu schweigen vom Leidensdruck des Tieres durch Dauerhunger.

- Die Hunde wirken träge, krank und vorgealtert (Adipositas, Diabetes) 

  

Nicht nur die Gesundheit und Vitalität seines Hundes sollte erstrangig in der Entscheidung des Hundebesitzers sein, auch die ethische Verantwortung, die wir gegenüber unseren Mitgeschöpfen haben, sollten eine Rolle spielen. Mit einer Kastration nimmt der Hundehalter für sein Tier einen Zustand in Kauf, in dem es sich nicht wohlfühlt, z.B. die auf Sauberkeit bedachte Hündin, die eine Harninkontinenz entwickelt, oder der bewegungsfreudige Hund, der plötzlich übergewichtig wird und unter Gelenkschmerzen leidet. Die Sorge um Bluttropfen auf dem Teppich, eine bequemere Haltung oder fehlendes Interesse an der Erziehung bieten ethisch keine Rechtfertigung. Die körperliche Unversehrtheit seines Tieres sollte die Nachteile der Hundehaltung deutlich aufwiegen. Die Kastration bietet auch keine Voraussetzung für ein fortpflanzungsfreies Hundeleben. Die unkontrollierte Vermehrung durch Streunern wie bei Katzen üblich, findet bei Hunden ohnehin nicht statt.

 

Die Scheinschwangerschaft bietet ebenfalls kein Indiz für eine Kastration. Hierbei handelt es sich nicht (wie durch Fehlinformation fälschlicherweise angenommen) um eine Krankheit sondern um ein natürliches Phänomen, das der Spezies Hund in freier Wildbahn das Überleben sichert. Fällt eine Mutterhündin zur Nachwuchsernährung aus, werden andere Hündinnen befähigt ihre Milchquelle als Ersatz zur Verfügung zu stellen.

 

Übrigens ist die Kastration eines gesunden Hundes nach § 6 Abs. 1 des Tierschutzgesetzes ebenso wie das Kupieren von Ohren und Ruten verboten. (Das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres).

 

# Kastration

Für uns wäre nur eine medizinische Indikation, die uns keine andere Wahl lassen würde, ein Motiv für eine Kastration. In unserer langjährigen Hundehaltung ist keine unserer Hündinnen jemals an Scheinschwangerschaft, Gebärmutterentzündung oder Mammatumoren erkrankt.

 

Ich verweise mit freundlicher Genehmigung auf den Blog von Tierarzt Ralph Rückert: „Die Kastration beim Hund - Ein Paradigmenwechsel -„

www.tierarzt-rueckert.de/blog/details_1489_3_18951.html