An dieser Stelle möchten wir die Gelegenheit nutzen, mit einigen Mythen und Missverständnissen rund um den Collie aufzuräumen. Wir möchten dazu beitragen, die feine Seele dieses außergewöhnlichen Hundes besser zu verstehen.

 

 

Der Collie ist ein Anfängerhund!

Nein, ist er nicht. Diese Rasse stammt von Vorfahren ab, die jahrhundertelang auf Hütearbeit und Eigenständigkeit selektiert wurden. Das liegt auch dem heutigen Collie noch in den Genen. Richtig ist zwar, dass er mittlerweile als Familienhund gilt, aber er ist und bleibt ein Hütehund. Die Kombination des sensiblen Engels mit dem sturköpfigen Teufel auf seiner Schulter kann einen Anfänger leicht zur Verzweiflung bringen. Ein Hundeanfänger ohne jede Vorkenntnis braucht etwas Vorlaufzeit, die er aber gut mit einer geeigneten Hundeschule überbrücken kann.

 

Der Collie ist ein Genie..... genau wie Lassie. Deshalb kann man die Erwartungen entsprechend hochschrauben!

Richtig ist, dass der Collie zu den intelligentesten Rassen weltweit gehört, seine Auffassungsgabe ist ungewöhnlich hoch. Aber er ist ein Hund wie jeder andere, der seine Erziehung, Auslastung und Kopfarbeit braucht. Jeder Hund ist das, was sein Halter aus ihm macht. Der Irrglaube, dass ein Collie als Wundertier geboren wird, entspringt seit Jahrzehnten lebhafter Phantasie. Lassie ist eine Filmfigur, die nicht geeignet ist, ein Rassemerkmal zu repräsentieren.

 

Der Collie ist kinderlieb!

In erster Linie ist er genauso wenig ein Kinderspielzeug wie jeder andere Hund auch. Hinzu kommt, dass er sensibel und geräuschempfindlich ist. Als Welpe braucht er eine liebevolle Aufzucht mit viel Ruhe und Schlaf. Wenn Kinder kontrolliert und behutsam an den Umgang mit einem Colliewelpen herangeführt werden und ihn nicht überfordern, kann er sich an das hektische Leben mit einem Kleinkind gewöhnen. Er liebt alle Mitglieder der Familie, einschließlich der Kinder. Aber der Collie lernt auch schnell, andere Hausgenossen wie Hühner, Katzen oder andere Tiere als Familienmitglieder zu respektieren.

 

Der Collie ist ein Coutchpotato und für Senioren geeignet!

Auch wenn seine Erscheinung an ein Plüschtier erinnert, ist er es nicht. Als Hütehund ist sein Lebenselexier Bewegung und Auslastung. Senioren, die aktiv und sportlich sind, sind durchaus geeignet, einen Collie zu führen. Aber wie jeder andere Hund hat auch der Collie nichts gegen einen gemütlichen Abend auf dem Sofa.

 

Der Collie ist leicht erziehbar!

Nicht unbedingt. Er ist intelligent und lernt schnell. Aber genau das gibt ihm die Gabe, alles aus seiner Sicht Sinnlose in Frage zu stellen. Die Schranktür mit den Leckerlis zu öffnen, lernt er natürlich wesentlich schneller als den Gehorsam. Er benötigt eine konsequente und sichere, aber sehr liebevolle Führung.

 

Der Collie ist der ideale Familienhund, der sich von selber erzieht!

Er ist zwar ein idealer Familienhund, aber er ist kein Mitläufer. Er liebt den engen Kontakt mit seinen Menschen und tut alles, um immer dabei sein zu dürfen. Daher ist er bei entsprechender Erziehung auch der ideale Begleithund in allen Lebenslagen, da er sich immer und überall zu benehmen weiß. Jedoch ist er kein Hund, der sich ohne Ansprüche und völlig selbständig in die Familie integriert. Der ideale Familienhund ist er nur, wenn er von allen als vollwertiges Familienmitglied geliebt, geachtet und respektiert wird. Eine konsequente Erziehung, die ihm die Sicherheit bietet, die er braucht, ist unumgänglich.  

 

Der Collie leidet im Sommer durch sein dickes Fell und muss geschoren werden!

Auf keinen Fall!! Das Fell dieser Rasse hat eine Besonderheit. Es ist doppelt angelegt. Außer dem langen Deckhaar, das die Fellfarbe des Hundes vorgibt, hat es eine mausgraue oder cremefarbene Unterwolle, die lose auf der Haut liegt, aber sich kräftig vermehrt, bis sie schließlich die Bewegungsfähigkeit einschränkt, zu vergleichen mit zu enger Thermounterwäsche. Um das Verfilzen des Hundes zu vermeiden und um ihm im Sommer Erleichterung zu verschaffen, muss die Unterwolle regelmäßig und kräftig in Schach gehalten werden. Das lange und seidige Deckhaar hingegen hat sowohl im Sommer eine kühlende als auch im Winter eine wärmende Funktion und darf auf keinen Fall geschnitten werden. Durch eine Schur würde das schützende Deckhaar beschädigt und die filzende Unterwolle bliebe unversehrt. Es besteht sogar das Risiko, dass das Deckhaar nur noch unvollständig nachwächst. Nur das Entfernen der Unterwolle kann dem Hund im Sommer Erleichterung verschaffen, da hierdurch die Haut belüftet wird. Beim Groomer gibt's geeignete Unterwollkämme mit Rollzinken. Der sogenannte "Furminator" ein Kamm mit Klingen, mit dem leider viele Collies bearbeitet werden, ist hierfür nicht geeignet.

 

Der Collie ist ein Jagdhund, denn Hütetrieb ist mit Jagdtrieb gleichzusetzen!

Jein! Natürlich ist der Hütetrieb eine Form des Jagdtriebes. Der Hütetrieb des Collies beschränkt sich aber nur auf das Kontrollieren der Herde. Das endgültige Stellen und Töten der Beute gehört nicht in den Aufgabenbereich des Collies. Daher ist der Collie ein reiner Sichtjäger, jedoch kein Fährtensucher. Aus den Augen, aus dem Sinn.. Da der Collie über genügend Intelligenz verfügt um zu wissen, dass er für das Hetzen der Beute schlichtweg nicht gemacht ist, klappt der Rückruf bei den meisten Collies problemlos. Natürlich gibt's auch unter den Collies Exemplare, die an Selbstüberschätzung nur so strotzen und ihr Glück trotzdem versuchen, dies kommt meistens bei Jungspunden in der Sturm-und-Drang-Zeit vor und legt sich mit der Zeit. Die Einsicht siegt zuletzt.

 

Collies sind verträglich mit allen Rassen!

Nicht unbedingt. Collies sind rassistisch veranlagt. Hütehunde untereinander pflegen einen sozialen, freundlichen und respektvollen Umgang miteinander, der für andere Rassen z.B. Jagdhunde, Terrier oder Molosser durch ihr wesentlich dominanteres Wesen oft nicht typisch ist. Collies lieben den vornehmen und höflichen Umgang mit Artgenossen, daher fühlen sie sich zu Hütehundrassen magisch angezogen. Das Problem mit den Tut-Nix-Hunden: Tutnixe, die sich unerzogen und respektlos verhalten oder sich auf den Collie stürzen, um ihn zum Spielen zu nötigen, sind den meisten Collies ein Graus. Oft versuchen sie sich höflich zu entziehen, weil sie dem körperlichen Spiel nicht gewachsen sind. Auch freche Terrier oder Kleinsthundexemplare, die als Tragehunde von oben lautstark zum Kampf bitten, sind unter ihrem Niveau.